Bei unserem Osterurlaub im Mittelschwarzwald waren wir in Museen der  Städte Schramberg und Wolfach (an der Kinzig, einem Nebenfluss des Rheins).  In den beiden Orten kann man gut die Vergänglichkeit von Industriezweigen beobachten: Zeitmessung und –anzeige (Uhrenindustrie in Schramberg, Fa. Junghans)  und Holzindustrie (Flößerei in Wolfach).

Die Flößerei gibt es seit  1895 nicht mehr im Schwarzwald. Die Uhrenindustrie erlebte Ihren peak vor dem  1. Weltkrieg.

Das Einschlagen von Holz (früher Eiche, später Tanne) und der Transport über Wasserwege war eine Schwarzwälder Spezialität. Die Industrie überlebte 700 Jahre, bevor sie durch eine Disruption obsolet wurde.

Der Schwarzwald profitierte von seinem Holzreichtum, der steigenden Nachfrage, die die koloniale und maritime Expansion der Niederlande im 17. Jahrhundert  und dann die Industrialisierung (Holz ist nicht mehr nur Energielieferant sondern auch Baumaterial) im 18. Jahrhundert hervorriefen.

Die Flößerei kannte man schon im Altertum. Die Schwarzwälder schafften es jedoch die Flussflößerei  über Kinzig und Rhein bis nach Holland zu perfektionieren. Andere Transportmöglichkeiten standen bis ins 19. Jahrhundert nicht zu Verfügung und boten der Branche Schutz.

Mit der Expansion des  Eisenbahnnetzes in Deutschen Reich und in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts entstand jedoch die Möglichkeit, Holz über lange Strecken unproblematisch und günstig zu transportieren. Der Schienentransport sorgte bis 1895 dafür, dass die Flößerei im Schwarzwald als Dienstleistung verschwand.

Die Schwarzwälder machten darüber hinaus zusätzliche Fehler: sie ersetzten die Eichenwälder durch schnell wachsende Tannen. Damit begaben Sie sich der Möglichkeit, ihr Schlachtvieh in den Laubwäldern zu füttern. Sie verloren weiters ihren Mischwald , verschlechterten die Qualität des Holzes ( Monokultur Tanne) und damit den Zugang zu lukrativen Märkten.

Die jüngere Uhrenindustrie im Schwarzwald zeigt ebenfalls eine spannende Entwicklung. Die Schwarzwälder produzieren Ende des  17. Jahrhundert Glas und vertrieben es über „Glasträger“ in Europa.

Diese „Vertriebsleute“ brachten die Idee der Uhr im Privathaushalt mit aus Böhmen. Die Schwarzwälder kopierten das Konzept. Sie produzierten in Heimarbeit Uhren, die den Holzreichtum mit ihrem Verarbeitungs- know-how verbanden. Ihre Uhren waren vollständig aus Holz und unschlagbar günstig.

Sie vertrieben Ihre billigen Uhren erneut über Ihre Vertriebsleute:  die „Träger“  trugen nun Holzuhren.

Der günstige Preis der Uhr erleichterte die Penetration der Uhr in die Haushalte. Die Nachfrage stieg  und verlangte nach einer Professionalisierung der Produktion. Die Produktion einer Uhr wurde nun von verschiedenen Nebengewerben (Verlegersystem) vorbereitet und erst im finish von dem Hauptgewerbe fertig produziert.

Statt vollständig aus Holz wurde für die Mechanik nun auch Metall eingesetzt.

Die Anzahl der Uhren, die ein Arbeiter in der Woche fertigstellen konnte, versechsfachte sich im 18. Jahrhundert.

Schon Mitte des 19. Jahrhundert produzierte der Schwarzwald 600 000 Uhren pro Jahr für den Weltmarkt. Das war ein Segen für die Region, denn die Flößerei verschwand wenige Jahre später.

Das Wachstum veränderte auch die Wertschöpfungskette der Industrie. Produktion und Vertrieb trennten sich.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in der Region in industriellem Maßstab knapp 6 Mio. Uhren produziert.  Im Segment der „Großuhren“ hatte der Schwarzwald einen Weltmarkanteil von 50 %.

Die beiden Weltkriege setzten der Uhrenindustrie schwer zu. Die Disruption der Industrie mit Kunststoff und Quarzmechanismus beschädigten den Standort zusätzlich.  Die Industrie ist zu einer handwerklichen Nische geschrumpft.

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