Jens #Hacke, Universität Halle/Wittenberg, hat in der aktuellen #Cicero Ausgabe den „Volksparteien“ in Deutschland die Agenda für ihre künftigen Grundsatzprogramme ans Herz gelegt. Ich bin gespannt, was die Generalsekretäre daraus zimmern.

Die bürgerlichen und zivilgesellschaftlichen Anliegen seien (meine Reihenfolge):

Forcierung der umweltpolitischen Maßnahmen, wirksame Armutsbekämpfung in unserer Wohlstandsgesellschaft, konsistente Bildungspolitik, klare gesetzliche Regelung der Einwanderung, entschlossene Intergration, Pflege der öffentlichen Räume, politische Einhegung des globalen Finanzkapitalismus und die Förderung des Mittelstandes.

 

Die #Zeit veröffentlicht einmal im Jahr den Tag im Jahr, zu dem wir die Resourcenverträglichkeit unseres Planeten verletzen. An diesem Tag haben wir durch #Treibhausgase, #Überfischung #Landwirtschaft und #Bodenversiegelung unserem Planeten mehr zugemutet, als er verträgt.

1970 erreichten wir diesen #Dispotag in der Adventszeit.

1980 war im Oktober #Dispotag

In der Nuller Jahren hatten wir schon den August „erreicht“.

2017 schaffte es unser „Deutscher Resourcenverbauch“ den April. Ab Mai „überzogen wir den Resourcenkredit unserer Erde“.

Dabei: wenn wir nur jedes Jahr ab 2018 den Dispotag um einen Monat wieder nach hinten schieben würden, könnten wir ab 2050 wieder in Frieden mit unserer Erde leben.

Die deutsche Automobilindustrie ist für unsere Volkswirtschaft wichtig. Mit 815 000 Mitarbeitern haben MB, BMW und VW in den letzten sechs Jahren € 190 Mrd. Gewinn (Umsatz 450 Mrd.)erzielt.

Im Dieselskandal ist die Industrie eher mit ihrer sehr guten (?) Lobbyarbeit  als mit deutscher Ingenieurkunst „aufgefallen“.

Nachdem die Gesetzgebung verlangte, dass die Abgaswerte (Stickoxide oder NOx) nicht im Labor/Prüfstand erfüllt sein müssen, sondern auf der Straße, gelang den Lobbyisten ein Geniestreich.

Sie erfanden den Konformitätsfaktor. Er mildert mathematisch den realen NOx Ausstoß ( Real Driving Emissions)  herunter und erlaubt legal höher Verbrauchswerte auf der Straße als im Labor. Zunächst überzeugte die Lobby die EU Kommission und die Bundesregierung von dem Konzept. Dann feilschten sie erfolgreich um den Wert des Faktors.

Die EU Kommission schlug einen Wert von 1,6 später in 5 Jahren 1,2 vor.  Ein Fahrzeug konnte also legal auf  der Straße 128 mg Stickoxid pro km abgeben. Der Konformitätsfaktor bringt diesen Schadstoffausstoß auf die rechnerische Größe 80 (das politische Ziel Regierung), eine Messtoleranz von 60 % . Nach fünf Jahren würde dann die Fehlertoleranz auf 20 Prozent gebracht. Der Konformitätsfaktor sollte also nicht die Abgase verringern, sondern sie diente dazu, den PKW Bestand an Dieselmotoren mit maximal 90 Prozent  zu legitimieren. Die Umweltverbänden (DUH) nennen das: Schutz der Motoren statt Schutz unserer Lungen.

Die Lobbisten waren mit diesem „Betrug“ an den Umweltzielen noch nicht zufrieden. Sie forderten dreist zunächst einen Konformitätsfaktor von 2,2 (Messtoleranz  220 Prozent!) und danach 1,6 bis 1,5.

Das Ergebnis: am 3.02.2016 stimmt das Europäische Parlament dem „Dieseldeal“ mit den Werten  2,1 und später 1,5. Das Gesetz tritt diesen September in Kraft.

Ein Hoch auf die Lobby. Sie kann besser die Politik tunen als Ihre Dieselaggregate.

Quelle: DIE ZEIT vom 3.08.2017

Andrè #Siegfried, geboren 1875, war ein französischer Wissenschaftler, Geograph und politischer Schriftsteller. Er berichtete, dass er bis 1914 in einer Welt voller Staatsgrenzen durch die ganze Welt reisen konnte. Sein einziger Ausweis sei sein Visitenkarte gewesen: ein „Wunderwerk der Pax Britannica“schreibt Ferdinand #Braudel in seinem Büchlein “ Die Dynamik des Kapitalismus“

Die #FAS hat am 25.06.2017 ausführlich das Konzept besprochen. Der Author Dyrk #Scherff hat ein bemerkenswert klares Fazit gezogen.

Ob die höheren Steuern für kleine Unternehmen und der Wegfall der von der SPD eingeführte Abgeltungsteuer die Wähler begeistern wird?

Bei diesen Zahlen sollten die „Nationalstaatler“ aber noch einmal nachdenken. Pro #EU

schrieb der deutsche Aphoristiker  Elmar Kupke.

Da kann man bei folgenden Zahlen nachdenklich werden:

Schulden( Staat, Privat, Firmen) der Welt: $ 215 Billionen.

Das enspricht 325 % des Welt BIP.

Die Staaten haben sich mit knapp 90 % des Welt BIP verschuldet.

Der Deutsche Staat liegt erfreulich nur bei 68%, in Japan dagegen liegt der Wert bei gefährlichen 227 %.

Bedenklich auch, dass der weltweite Finanzsektor mit  83 % des Welt BIP verschuldet ist. Bankenkrise?

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Institute_of_International_Finance

Bei unserem Osterurlaub im Mittelschwarzwald waren wir in Museen der  Städte Schramberg und Wolfach (an der Kinzig, einem Nebenfluss des Rheins).  In den beiden Orten kann man gut die Vergänglichkeit von Industriezweigen beobachten: Zeitmessung und –anzeige (Uhrenindustrie in Schramberg, Fa. Junghans)  und Holzindustrie (Flößerei in Wolfach).

Die Flößerei gibt es seit  1895 nicht mehr im Schwarzwald. Die Uhrenindustrie erlebte Ihren peak vor dem  1. Weltkrieg.

Das Einschlagen von Holz (früher Eiche, später Tanne) und der Transport über Wasserwege war eine Schwarzwälder Spezialität. Die Industrie überlebte 700 Jahre, bevor sie durch eine Disruption obsolet wurde.

Der Schwarzwald profitierte von seinem Holzreichtum, der steigenden Nachfrage, die die koloniale und maritime Expansion der Niederlande im 17. Jahrhundert  und dann die Industrialisierung (Holz ist nicht mehr nur Energielieferant sondern auch Baumaterial) im 18. Jahrhundert hervorriefen.

Die Flößerei kannte man schon im Altertum. Die Schwarzwälder schafften es jedoch die Flussflößerei  über Kinzig und Rhein bis nach Holland zu perfektionieren. Andere Transportmöglichkeiten standen bis ins 19. Jahrhundert nicht zu Verfügung und boten der Branche Schutz.

Mit der Expansion des  Eisenbahnnetzes in Deutschen Reich und in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts entstand jedoch die Möglichkeit, Holz über lange Strecken unproblematisch und günstig zu transportieren. Der Schienentransport sorgte bis 1895 dafür, dass die Flößerei im Schwarzwald als Dienstleistung verschwand.

Die Schwarzwälder machten darüber hinaus zusätzliche Fehler: sie ersetzten die Eichenwälder durch schnell wachsende Tannen. Damit begaben Sie sich der Möglichkeit, ihr Schlachtvieh in den Laubwäldern zu füttern. Sie verloren weiters ihren Mischwald , verschlechterten die Qualität des Holzes ( Monokultur Tanne) und damit den Zugang zu lukrativen Märkten.

Die jüngere Uhrenindustrie im Schwarzwald zeigt ebenfalls eine spannende Entwicklung. Die Schwarzwälder produzieren Ende des  17. Jahrhundert Glas und vertrieben es über „Glasträger“ in Europa.

Diese „Vertriebsleute“ brachten die Idee der Uhr im Privathaushalt mit aus Böhmen. Die Schwarzwälder kopierten das Konzept. Sie produzierten in Heimarbeit Uhren, die den Holzreichtum mit ihrem Verarbeitungs- know-how verbanden. Ihre Uhren waren vollständig aus Holz und unschlagbar günstig.

Sie vertrieben Ihre billigen Uhren erneut über Ihre Vertriebsleute:  die „Träger“  trugen nun Holzuhren.

Der günstige Preis der Uhr erleichterte die Penetration der Uhr in die Haushalte. Die Nachfrage stieg  und verlangte nach einer Professionalisierung der Produktion. Die Produktion einer Uhr wurde nun von verschiedenen Nebengewerben (Verlegersystem) vorbereitet und erst im finish von dem Hauptgewerbe fertig produziert.

Statt vollständig aus Holz wurde für die Mechanik nun auch Metall eingesetzt.

Die Anzahl der Uhren, die ein Arbeiter in der Woche fertigstellen konnte, versechsfachte sich im 18. Jahrhundert.

Schon Mitte des 19. Jahrhundert produzierte der Schwarzwald 600 000 Uhren pro Jahr für den Weltmarkt. Das war ein Segen für die Region, denn die Flößerei verschwand wenige Jahre später.

Das Wachstum veränderte auch die Wertschöpfungskette der Industrie. Produktion und Vertrieb trennten sich.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurden in der Region in industriellem Maßstab knapp 6 Mio. Uhren produziert.  Im Segment der „Großuhren“ hatte der Schwarzwald einen Weltmarkanteil von 50 %.

Die beiden Weltkriege setzten der Uhrenindustrie schwer zu. Die Disruption der Industrie mit Kunststoff und Quarzmechanismus beschädigten den Standort zusätzlich.  Die Industrie ist zu einer handwerklichen Nische geschrumpft.

Kluges Wort des ehemaligen Papstes Benedikt XVI aus einer Vorlesung 2006:

Vernunft braucht Religion, sonst greift sie zu kurz.

Religion braucht auch Vernunft, ansonsten ist sie anfällig für Gewalt.

Die Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“ „Aus Politik und Zeitgeschichte2 hatte am 13.03.2017 das spannende Thema : Fremd in der Heimat ?

Hier meine Synopse:

zeitung1

 

 

Wir hatten in Deutschland 2015 eine Bevölkerung von 82 Mio.

Davon haben 17 Mio. „Menschen eine Zuwanderungsgeschichte“.

Der andere Teil unserer Bevölkerung wird gelegentlich salopp „Biodeutsche“ genannt.

In Deutschland haben wir vier Minderheiten anerkannt:

  • Sinti und Roma, Bürger: 70 k
  • Friesen,                Bürger: 60 k
  • Sorben,                 Bürger: 60 k
  • Dänen,                  Bürger:  50k

 

Die beiden größten Bevölkerungsgruppen, die eine Zuwanderungsgeschichte haben, sind die (Spät) Aussiedler (auch Postsowjetische Migranten genannt) mit knapp über  3 Mio. Bürgern und die türkeistämmigen Bürger mit knapp unter 3 Mio. Bürger.

Der „Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ hat die Einschätzung des Intergrationsklimas bei den Bürgern erhoben und, wie ich finde, Erstaunliches herausgefunden:

Turkeistämmige Bürger (werten das Intergrationsklima mit)                63 (von 100)

Bevölkerung ohne Migrationshintergrund/Bio Deutsche also                65

(Spät) Aussiedler/Postsowjetische Migranten                                            69

Zuwanderer aus EU Ländern                                                                          71

 

Intergrationsklima: Skala 0=negativ bis 100=positiv

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